Entstehung der Fischerzunft zu Zug

Die Fischerei an den Gestaden des Zugersees ist so alt wie die Geschichte seiner ersten Anrainer. Davon zählen unzählige Fundstücke. Die Fischerei zählte wohl über viele Dekaden zum wichtigsten Wirtschaftssektor. Sie war es denn auch, welche der Stadt Zug ihren Namen gab.

Geschichte der Fischerzunft

Über die Geschichte der Zuger Fischerzunft ist nur wenig bekannt. Es ist indessen sicher, dass sie, wie die anderen Zünfte, auf eine religiöse Bruderschaft zurück geht. Der Schweizer Arzt, Naturwissenschaftler und Geschichtsschreiber Karl Franz Stadlin (1777–1829), betrachtet sie in einer Topographie des Kantons Zug als älteste Zuger Zunft. «Älter und geregelter als alle scheint die Fischerbruderschaft zu sein. Sie hatte eine eigene Zunftstube». Der Wortlaut der bekannten Fischerordnungen von 1479 und 1489 legt die Vermutung nahe, dass eine zunftmässige Organisation der Zuger Fischer sicherlich zu Beginn des 15., oder aber eher noch bereits im 14. Jahrhundert bestanden haben muss. Ebenso unklar wie der Zeitpunkt der Entstehung ist jener der Auflösung der Fischerzunft.

Neuzeitliche Wiederbelebung

Am 12. März des Jahres 1974 fanden sich im Restaurant Frohsinn (Hagebüechli) ungefähr 10 Zuger ein, um etwas vom reaktionärsten zu tun, was damals im Zeitalter der Mondfahrt scheinbar getan werden konnte. Sie hatten nämlich nichts anderes vor, als einen Verein zum Leben zu erwecken, der seine Blütezeit in den Tagen der alten Schweizer erlebte. Damit nicht genug: Sie setzten ihr Vorhaben in die Tat um und verlassen die Gründung der Fischerzunft der Stadt Zug . Wie lange die Sitzung gedauert hat, geht aus keiner Akte hervor. Aber der Beschluss stand fest: „Die Fischerzunft ist tot. Lang lebe die Fischerzunft!“.

Der Gründerväter heres Ansinnen

Leser, die sich jetzt an den Kopf greifen ob solch nostalgischer Entgleisung, tun gut daran, die Gründungsmotive aufmerksam zur Kenntnis zu nehmen. Erstens schien es damals mehr denn je notwendig, dass Gelegenheiten geschaffen werden, Menschen verschiedener Berufe, verschiedenen Alters und verschiedener Gesinnung in freundschaftlichem Kontakt kennen zu lernen. in diesem gesellschaftlichen Sinne vermochte die traditionelle Institution der Zunft einem aktuellen Bedürfnis zu entsprechen.

Zweitens kann einer Zunft auch heute noch positiver „zünftiger“ Sinn gegeben werden. Die Zünfter als Berufsvereinigungen erfüllten in ihrer Blütezeit vom Mittelalter bis in die Neuzeit ausgesprochen soziale Funktionen, indem sie die politische und wirtschaftliche Stellung des handwerklichen Mittelstandes festigten. Heute liegt das Schwergewicht des Zunftlebens im geselligen und gesellschaftlichen Bereich.

Drittens ist die Fischerzunft indes auch in der Absicht gegründet worden, die Anliegen und Bedürfnisse der Berufs-Fischerei zu unterstützen und sich im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten für die Erhaltung des natürlichen Zustandes unserer Gewässer einzusetzen. So ist heute jeder Fischerzünfter im Besitz des obligatorischen Sachkunde-Nachweis der Schweizer Sportfischerei.

Schliesslich will die Fischerzunft einen Beitrag leisten zur Gestaltung des Stadt-zugerischen Zunftlebens, das besonders in kultureller Beziehung und zum Nutzen der Öffentlichkeit auf vielfache Weise bereichert wird.